Der ehemalige „VIVA“-Moderator und heutige Rettungssanitäter Tobias Schlegl ist den Jakobsweg gewandert. Nicht, weil er an Gott glaubt, sondern weil er seine christliche Mutter begleiten wollte. Dennoch hat ihn der Weg spirituell bereichert, wie er jetzt in einem Interview mit der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“ erklärte und in seinem Buch „Leichtes Herz und schwere Beine“ schreibt.
Demnach ist Schlegl christlich aufgewachsen, war Messdiener und hat ein katholisches Gymnasium besucht. Aus der Kirche ausgetreten sei er schließlich wegen der Missbrauchsskandale, aber: „Schon lange bevor ich ausgetreten bin, hatte ich aufgehört, an Gott zu glauben.“
„Ich fühlte mich beseelt“
Auf dem Jakobsweg sei er täglich mit Kirchen konfrontiert gewesen. „Ich habe mich drinnen jedes Mal wohlgefühlt. Sie gaben mir eine unglaubliche innere Ruhe, ich fühlte mich beseelt.“ Weiter sagt er: „Diese Kirchen wurden mein Zufluchtsort. Ich habe mich dem Ganzen also wieder etwas angenähert.“
Er wolle die Existenz Gottes nicht ausschließen. „Ich hatte etwa dreimal auf dieser Wanderung so ein plötzliches, pures Glücksgefühl. Wie ein Rausch, alles hat gekribbelt“, erinnert er sich und bringt das in Verbindung mit einer spirituellen Erfahrung.
Auf einer zweiten Pilgerwanderung von Santiago de Compostela nach Kap Finisterre habe er dann wegen einer schlechten Nachricht bewusst Gott gesucht. „Ich habe auf dieser Wanderung einen Anruf bekommen: Einem Freund von mir wurde prognostiziert, dass er nur noch ein bis zwei Jahre zu leben habe. Das hat für mich alles verändert.“ Während er bisher nie in Erwägung gezogen hatte, in Kirchen zum Beispiel eine Kerze für andere Menschen anzuzünden, tat er dies nun für seinen Freund. Er habe angefangen, zu beten. „Und es half: Das Gefühl, endlos zu fallen, verschwand. Ich fühlte stattdessen Ruhe und Trost.“