Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, hat am Dienstag in München den Stiftungspreis 2014 der Stiftung Ja zum Leben bekommen. In seiner Dankesrede beschrieb er, wie der Glaube seine Arbeit motiviert – und teilte sehr persönliche Ansichten zum Thema Abtreibung.
Von PRO
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Hartmut Steeb (zweiter von rechts) hat den Stiftungspreis 2014 der Stiftung Ja zum Leben bekommen
Als Hartmut Steebs Mutter mit ihm schwanger wurde, war sie 42 Jahre alt und hatte bereits fünf Kinder. Die Familie lebte in einer 3-Zimmer-Wohnung vom „kärglichen“ Gehalt des Vaters. Trotzdem sei es für seine Eltern selbstverständlich gewesen, dass er angenommen, versorgt und geliebt wurde, erzählte Steeb. „Heute hätte ich in vielen Familien keine Chance“, beschrieb er die seiner Wahrnehmung nach veränderte Haltung zu Abtreibung in Deutschland und fügte hinzu: „Und es wäre doch wirklich schade, wenn ich nicht geboren worden wäre!“
Hermann Binkert, ehemaliger Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Insa-Consulere, sagte in seiner Laudatio, dass es wichtig sei, die Debatte um den Schutz des Lebens nicht zu verdrängen. Umfragen seines Instituts hätten ergeben, dass viele Deutsche gar keine Meinung zu diesem Thema haben oder sich ausschließlich politisch korrekt äußern möchten. Mit einer „Salamitaktik“ werde immer weiter versucht, das Leben zu relativieren, wie etwa die Diskussion über Sterbehilfe zeige.
Um das Recht des Menschen auf ein würdiges Leben zu verteidigen, sei der Staat auf die „ethische Prägekraft der Kirche“ angewiesen, sagte Binkert. Weil die Deutschen immer weniger Kinder bekämen, sei es wichtig, „dass es Bürger gibt, die bereit sind, sich für Kinder einzusetzen“. Binkert bezeichnete das als „unsere Verantwortung vor Menschen und vor Gott“. Weiter sagte er: „Hartmut Steeb ist dieser Verantwortung gerecht geworden.“
Der Preis der Stiftung Ja zum Leben wurde am Dienstag zum 13. Mal seit 1990 vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert. Steeb möchte das Preisgeld dem Treffen Christlicher Lebensrecht-Gruppen zur Verfügung stellen, für das er sich seit fast 20 Jahren als Vorsitzender engagiert. Dieser Zusammenschluss von Initiativen verschiedener christlicher Konfessionen setzt sich für Schwangere in Not ein.
Steeb präsentiert Zehn-Punkte-Plan
Am Dienstag sagte er: „Ist es nicht eigentlich schlimm, dass man es heute schon als außergewöhnlich empfindet, wenn sich jemand konsequent für das Leben einsetzt?“ Der Preis sei eine „echte Ermutigung“, mit dieser Arbeit weiterzumachen. Steeb erzählte, wie seine Grundmotivation dafür im Januar 1976 entstand: „Ich habe in der Nacht nach der Geburt meines ersten Sohnes nicht mehr schlafen können vor Staunen und vor Freude.“ Dieses Wunder habe ihn von der Schutzwürdigkeit des Lebens überzeugt.
Viel Sympathie erntete Steeb mit seinem Lob an alle Mütter: „Das ist die wichtigste, die nachhaltigste, die zukunftsträchtigste Aufgabe, die es überhaupt gibt!“ In einem Zehn-Punkte-Plan listete er zudem auf, was alles getan werden solle, um deutlich gegen jede Form der Tötung einzustehen. Unter anderem sollten die evangelischen Kirchen das Thema nicht bagatellisieren. Das Kindergeld solle schon während der Schwangerschaft ausgezahlt und der Mutterschutz ausgeweitet werden. Ekkehart Vetter, Präses des Mülheimer Verbands Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden und 2. Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz, lobte in seinem Grußwort Steebs Glaubensstärke. Dieser trete für ein biblisches Verständnis von Menschenwürde ein, nach dem jeder Mensch auf dieser Erde „von Gott gewollt, von Gott bejaht und von Gott geliebt“ sei. Steeb vertrete damit nicht nur eine politische Position. Stattdessen sei dieses Thema tief in seinen Glaubensgrundsätzen verwurzelt.
Steeb feiert im kommenden Jahr 40-jähriges Ehejubiläum mit seiner Frau Angelika, die ihn zur Preisverleihung begleitete. Die beiden haben zehn Kinder und zehn Enkelkinder. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz verteidigt das Recht jedes Menschen auf Leben und thematisiert den Lebensschutz immer wieder in der Öffentlichkeit. (pro)
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