Weblog warnt vor „Fundamentalisten“ Christian Wulff
Dass ein Politiker, der den christlichen Verein "ProChrist" unterstützt, Bundespräsident werden könnte, passt manchen Atheisten und Humanisten nicht. "Spiegel Online" machte auf Beiträge eines deutschen Weblogs aufmerksam, das anlässlich der Kandidatur des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff für die Bundespräsidentenwahl vor dem Einfluss "christlicher Fundamentalisten" und "Kreationisten" in der Politik warnt.
Von PRO
Foto: www.christian-wulff.de
Seitdem Bundeskanzlerin Angela Merkel den Ministerpräsidenten Wulff als Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl vorgeschlagen hat, bringen Blogger den CDU-Politiker nun in einen Zusammenhang mit Kreationisten. Das Weblog "Esowatch", das sich nach eigener Aussage kritisch mit Esoterik beschäftigt, zeigte in einem Beitrag vom Donnerstag eine Fotomontage des katholischen Politikers. Sie zeigt Wulff in dem Talar eines protestantischen Pastors, neben ihm ist eine Gedankenblase zu sehen, in der das durchgestrichene Konterfei von Charles Darwin liegt. Da Wulff Mitglied im Kuratorium des Vereines "ProChrist" ist, dürfe man "eigentlich vermuten, dass er das Amt des Bundespräsidenten zur bibeltreuen Mission nutzen könnte", warnt das Weblog. "Es liegt zumindest auf der Hand, dass Evangelikale in Deutschland auf dem Vormarsch sind und es von ihnen schon lange als Anliegen und Ziel betrachtet wird in den politischen Reihen ganz oben mitzumischen. Kräftige Unterstützung, auch finanziell, erhalten sie dazu von bibeltreuen Organisationen der USA", so "Esowatch".
Der Verein "ProChrist" setzt sich nach eigener Aussage dafür ein, dass "möglichst viele Menschen in Deutschland und anderen europäischen Ländern das Evangelium von Jesus Christus hören". Gegründet wurde er 1991 auf Anregung zweier evangelischer Bischöfe. Bei den Evangelisationsveranstaltungen beteiligten sich über 1.300 Übertragungsorte, und allein 2009 haben über eine Million Menschen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, der Urkaine, Polen, Ungarn und weiteren europäischen Ländern die Beiträge gehört.
"ProChrist" listet auf seiner Webseite die Namen von 35 Menschen "aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen auf", die sich wie Wulff "unterstützend hinter ProChrist stellen". Darunter sind Geistliche, aber auch bekannte Unternehmer und Politiker, etwa der ehemalige Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Erwin Teufel, der ehemalige Bundesminister Hans-Jochen Vogel, die Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen, Christine Lieberknecht, der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein oder der Vorsitzende des Vorstandes der Bundesagentur für Arbeit, Frank-J. Weise.
"Esowatch" warnt vor wachsendem Einfluss von Evangelikalen in der Politik
"Esowatch" merkt an, dass Wulf zudem laut einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks am 19. Mai 2010 bei einer Tagung des "Arbeitskreises Christlicher Publizisten" (ACP) in Bad Gandersheim gesprochen habe. Laut NDR warnte die Theologin Claudia Knepper von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen vor diesem Arbeitskreis, da dort "extrem rechte Sichtweisen" vorherrschten und zudem darin keine "seriösen evangelischen und katholischen Publizisten" vertreten seien. Der Experte der evangelischen Landeskirche in Hannover, Jürgen Schnare, sagte, die Publikationen des ACP zeigten eine Haltung gegenüber Homosexuellen, die nicht die der Landeskirche sei. Der "Arbeitskreis Christlicher Publizisten" schreibt auf seiner Internetseite: "Der ACP ist eine parteiunabhängige, internationale Vereinigung von Personen, deren Ziel eine angemessene Publizierung von biblischen Denk- und Handlungsweisen und der Vertretung christlicher Werte in den modernen Massenmedien ist."
"Esowatch" sieht die Gefahr von "Lobbyismus in den Parteireihen" und warnt vor wachsendem Einfluss von Evangelikalen in der Politik. "Wulff als offizieller Unterstützer von ‚ProChrist‘ sollte aber auf keinen Fall unterschätzt werden", heißt es da. Denn der Hauptprediger von "ProChrist", Ulrich Parzany, stehe für "Kreationismus, Schwulenhetze und strikte Ablehnung von Abtreibungen". Es sei "unvorstellbar, wenn solche Anliegen von einem Bundespräsidenten vertreten werden würden", heißt es in dem Beitrag des Weblog, auf den "Spiegel Online" verlinkt hatte und zu dem es bereits über 100 Kommentare gibt.
In einem Beitrag vom Samstag zitiert der Autor des Weblogs außerdem aus einer Rede Wulffs über den interreligiösen Dialog, den er im Januar 2005 in München gehalten hatte. Daraus gehe deutlich hervor, dass Wulff nicht nur Sympathien für evangelikale Strömungen hege, sondern für alle Religionen. "Er selbst als katholischer Christ hat ein großes Anliegen daran, alles Religiöse zu fördern und zu einem bestimmenden gesellschaftlichen Faktor zu machen", so das Weblog. Doch gehe aus den Worten des Ministerpräsidenten leider nicht eindeutig hervor, dass es – wie im Islam – "auch in christlichen Reihen Fundamentalisten" gebe. (pro)
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