Der Vatikan wird kritisiert, weil er das irische Ja zur Homo-Ehe eine „Niederlage für die Menschheit“ nannte. Das Netz feiert derweil den irreführenden Begriff „Ehe für alle“. Ein Kommentar von Moritz Breckner
Irland wie im Bilderbuch. Der Begriff „Ehe” hat fortan eine neue Bedeutung in dem mehrheitlich katholischen Land
Seit dem „Ja“ zur Homo-Ehe bei der Volksabstimmung in Irland ist die Debatte über die „Ehe für alle“ auch in Deutschland wieder entflammt. Besonders diskutiert wird in diesem Zusammenhang ein Zitat des Papst-Vertrauten Pietro Parolin, der zu dem Ergebnis der Abstimmung erklärt hatte: „Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen.“ Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer hält dagegen: „Niederlagen für die Menschheit sind für mich andere Dinge. Dinge, die mit Gewalt, Terror, Krieg und Unmenschlichkeit zu tun haben. Eine solche Formulierung in Zusammenhang mit Homosexualität und all den Fragen dazu ist völlig unangemessen.“ Für Medien und Kirchenkritiker ist die Aussage Parolins indes ein gefundenes Fressen, um dem Vatikan und konservativen Christen Hartherzigkeit zu unterstellen.
Die Formulierung von der „Niederlage für die Menschheit“ wirkt dabei nur auf den ersten Blick hartherzig. Oberflächlich betrachtet ist es leicht, dem Kirchenmann zu unterstellen, den Wunsch Liebender nach mehr Gleichberechtigung mit tödlichen Katastrophen gleichzusetzen. Aus der Perspektive eines kirchlichen Seelsorgers hat Parolin aber vermutlich etwas anderes gemeint. Die Öffentlichkeit feiert es als Fortschritt und Toleranz, wenn Gottes Schöpfungsordnung auf den Kopf gestellt wird. Dass es soweit kommen konnte, ist die Niederlage für die Menschheit, von der Parolin spricht. Diese Aussage kann man als verachtend interpretieren, gemeint ist sie aller Wahrscheinlichkeit nach bedauernd und traurig, ja sogar mitleidsvoll mit denen, die aus Sicht der Kirche so falsch liegen. Aus christlicher Sicht sind Parolins Worte also nachvollziehbar.
Schlagwort „Ehe für alle“ führt in die Irre
Dass die katholische Kirche in Irland durch erschütternde Missbrauchsfälle seit den 90er Jahren an Glaubwürdigkeit gerade in sexualethischen Fragen eingebüßt hat, ist selbstverschuldet. Wie schwer es Gegner der Homo-Ehe aber im gesellschaftlichen Klima Irlands hatten, beschreibt der Brief einer evangelikalen Christin, der im Internet diskutiert wird. Alle Parteien und fast alle Journalisten seien für die Homo-Ehe gewesen, Plakate von Gegnern seien immer wieder heruntergerissen und zerstört worden. „Es gab einen ununterbrochenen, starken öffentlichen und sozialen Druck, mit Ja zu stimmen“, schreibt sie. Gruppen zur Unterstützung der Homo-Ehe hätten bis zu 15 Millionen Euro an Spendengeldern von dem amerikanisch-irischen Millionär Chuck Feeney erhalten, während die Gegner eine vergleichsweise kleine Graswurzelbewegung gewesen seien.
Gegner der Homo-Ehe werten darüber hinaus den Begriff „Marriage Equality“ (Ehe-Gleichstellung), der zur Abstimmung stand, als Meinungsmache. Sie machen auf einen Punkt aufmerksam, der auch für das in Deutschland gebräuchliche Schlagwort „Ehe für alle“ gilt: Es geht bei der Frage nach der Homo-Ehe nicht um gleichberechtigten Zugang zur Institution Ehe. Es geht darum, umzudefinieren, was eine Ehe ist.
In Irland jedenfalls ist die Ehe nicht länger die Verbindung von einem Mann und einer Frau. 39,5 Prozent der Abstimmungsberechtigten haben dafür ausgereicht. Das ist eine Niederlage für die Verfechter der traditionellen Ehe. „Abschied von Adam und Eva“, titelte dazu die Süddeutsche Zeitung. Ist es wirklich falsch, hier von einer „Niederlage für die Menschheit“ zu sprechen? (pro)
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