Olivia Jones fordert beim „Wort zum Sonntag“ mehr Toleranz
Am Abend des „Eurovision Song Contest“ sehen mehr Menschen das „Wort zum Sonntag“, als an jedem anderen Samstag. Die Macher nutzten die Gelegenheit, um die Travestiekünstlerin Olivia Jones zu Wort kommen zu lassen – und (k)eine Erklärung für Pfingsten zu liefern. TV-Kurzkritik von Moritz Breckner
Von PRO
Foto: ARD
Über den Dächern Hamburgs: Pastorin Annette Behnken (links) unterhält sich mit Olivia Jones über Toleranz
Das „Wort zum Sonntag“ läuft am Samstagabend spät nach den Tagesthemen, meist schauen weniger als zwei Millionen Menschen zu. Einmal im Jahr ist alles anders: Dann wird die Kirchensendung bereits um 20.50 Uhr inmitten der Vorberichterstattung zum „Eurovision Song Contest“ (ESC) ausgestrahlt. Hier erreicht die Sendung, in der im Wechsel evangelische und katholische Geistliche besinnliche Gedanken vortragen, plötzlich Millionen Menschen – fünf Millionen waren es an diesem Samstag. Es liegt also nahe, sich dafür etwas Besonderes auszudenken.
Pastorin Annette Behnken aus Wennigsen bei Hannover nutzte die Gelegenheit, um die Allgemeinplätze zu erörtern, dass Musik keine Grenzen kenne und Menschen unterschiedlicher Sprachen und Nationalitäten miteinander verbinde. Dann erklärt sie, dass im Musikwettbewerb ganz unterschiedliche Kunstformen und Gesangsstile auftauchen.
Pfingsten ist wie Musik
Der unpolitische Gesangswettbewerb habe kürzlich die Karlsmedaille erhalten, weil er sich für die Einigung in Europa einsetze – „Europa, das leider gerade erst die Grenzen wieder zugemacht hat“. Behnken spult dann noch ein paar Worthülsen und Schlagsätze ab, die zum Markenkern der Kirche geworden sind: Wir-Gefühl, Solidarität, Toleranz (gut), Nationalismus, Fanatismus, Flüchtlings-Hass (schlecht). Immerhin in einem Satz kommt auch das Pfingstfest vor, das ja mutmaßlich viele Zuschauer nicht mehr kennen. Die Erklärung der Pastorin fällt leider unvollständig aus: „Musik kennt keine Grenzen. Pfingsten übrigens auch nicht“, erklärt sie. „Das ist das christliche Fest an diesem Wochenende, an dem wir feiern, dass Menschen sich verstehen können auch ohne gemeinsame Sprache, dass es universale Sprachen gibt, von Herz zu Herz, über alle Grenzen hinweg. Wie zum Beispiel die Musik.“
Dass Gott den Menschen an Pfingsten in Form des Heiligen Geistes einen Helfer und Tröster schickt und dieser Tag auch als Gründungstag der christlichen Kirche angesehen werden kann, wäre in der traditionsreichsten kirchlichen Verkündigungssendung vielleicht auch auch noch einen Hinweis wert gewesen.
Travestiekünstlerin Jones: Conchita Wurst „Zeichen der Toleranz“
Am Schluss des kirchlichen Impulses kommt die Travestiekünstlerin Olivia Jones ins Bild und spricht mit Behnken darüber, was für ein tolles Zeichen der Toleranz es gewesen sei, als der Österreicher „Conchita Wurst“ vor zwei Jahren den Song Contest gewonnen hatte. „Unser Land ist schon sehr, sehr tolerant. Aber es gibt immer noch Diskriminierung und Ausgrenzung, und deswegen ist es umso wunderbarer, dass wir heute den ESC gemeinsam feiern, ein Fest der Toleranz!“
„Ja, wunderbar“, fällt Behnken noch ein. „Ganz viel Vielfalt gibt es jetzt zu sehen, und dabei wünschen wir Ihnen ganz viel Freude.“
Ein winzig kleiner christlicher Impuls im „Wort zum Sonntag“ hätte der Vielfalt des Abends sicherlich auch nicht geschadet. Leider, so der Eindruck, ging es der Sprecherin nicht darum, den Zuschauern neue Denkanstöße zu geben, sondern darum, nicht anzuecken und einzig das zu bestätigen, was das Publikum ohnehin schon glaubt. (pro)
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