Andreas Barner hat eine Doppelfunktion: Er ist nicht nur Chef des großen deutschen Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. In diesem Jahr ist er auch Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags, der ab dem 3. Juni in Stuttgart gefeiert wird. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat den Unternehmer porträtiert.
Von PRO
Foto: David Ausserhofer / Deutsche Forschungsgemeinschaft
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat den Präsidenten des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Andreas Barner, porträtiert
Andreas Barner führt einen großen Pharmakonzern. Zudem steht er auch als Präsident dem größten protestantischen Laientreffen vor. Für den gläubigen Christen ist diese Doppelfunktion keine Belastung. Ihm ist bewusst, dass er als Unternehmer in der Kritik stehen kann, wenn er Arbeitsplätze abbaut, umstrittene Medikamente herausbringt oder als Manager nach Ansicht vieler zu viel Geld verdient.
Ethisch vertretbare Entscheidungen treffen
Im Falle, in seinem Unternehmen laufe etwas schief, könne man sein kirchliches Engagement kritisieren: „Wenn jemand sich engagiert, muss er sich dem stellen“, erklärt der 62-Jährige, dass er damit keine Probleme hat. Als Christ sei es ihm wichtig, ethisch vertretbare Entscheidungen zu treffen. In einem Familienunternehmen wie Boehringer Ingelheim könne er ethische Prinzipien und die weitere Entwicklung des Unternehmens gut in Einklang bringen.
Als Mitglied des Präsidiums beim Deutschen Evangelischen Kirchentag gelte es, programmatische Vorarbeiten zu leisten. Dazu gehörte auch die Auswahl der Kirchentagslosung. Der Leitspruch für Stuttgart „damit wir klug werden“ fordere dazu auf, Antworten auf die gesellschaftlichen Fragen der Zeit zu finden, meint Barner. Weil die Tage des Menschen auf der Erde begrenzt seien, sei es wichtig, das Leben auf Langfristigkeit auszurichten.
Zusammenhang zwischen Glauben und Beruf
In einer Stadt mit vielen Familienunternehmen sei es kein Fehler, dass die Veranstaltung von einem Kirchentagspräsidenten aus der Wirtschaft begleitet werde. Bei der Anzahl der Menschen, die in der Privatwirtschaft arbeiteten, müsse es positive Bezüge geben zwischen dem Glauben der Menschen und dem, was sie beruflich tun. Barner sehe seine Aufgabe darin, diese Zusammenhänge zu verstärken.
Auf dem Kirchentag freut er sich auf die „unvorhersehbaren Begegnungen, überraschende Gespräche und Veranstaltungen mit einer großen Breite an Themen. Zudem die vielen jungen, fröhlichen Menschen, das gemeinsame Gebet“. Mittelfristig sehe er eine Chance für die Kirche, weil wieder mehr Menschen hinterfragten, warum sie eigentlich auf der Welt sind. In Bezug auf die Ökumene will Barner den Blick verstärkt auf Gemeinsamkeiten richten. Er ist mit einer katholischen Frau verheiratet und hat eine Tochter, die auch katholisch ist.
Barner studierte zunächst Medizin und später Mathematik und schloss beide Studiengänge mit der Promotion ab. Er wechselte in die Pharmaindustrie. Seit 1992 ist er bei Boehringer Ingelheim angestellt und seit dem 1. Juli 1999 in der Unternehmensleitung. 2009 übernahm er die Rolle des Sprechers der Unternehmensleitung. Er ist zuständig für den Bereich Pharma-Forschung, Entwicklung und Medizin. Außerdem engagiert er sich auf Verbandsebene, unter anderem als Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und als Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Darüber hinaus wurde er 2007 vom deutschen Bundespräsidenten in den Wissenschaftsrat berufen. (pro)
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