Die biblische Geschichten kommen hier im Abenteuercomic-Stil daher. Im Jahr 1975 erschien in den USA die „Picture Bible”. Deren bunte Bilder von Moses, Josef, Jesus und Paulus prägten das Verständnis der Bibelgeschichten in vielen Ländern. Unter dem Namen „Die Bibel im Bild“ erschienen die Comics auch in Deutschland. Für die Deutsche Bibelgesellschaft ist die „Picture Bible” ein „Longseller“, sagt Sven Bigl vom Stuttgarter Verlag gegenüber PRO.
Personen des Alten Testaments wie Mose, der das israelitische Volk durch die Wüste führt, Josef, der von seinen Brüdern verkauft wird und in Ägypten Karriere macht, aber auch die Geburt Jesu, die Wunder und sein Tod am Kreuz werden im Stil eines Comics dargestellt. Auch aus der Apostelgeschichte gibt es farbig illustrierte Geschichten. „Von Adam und Eva bis hin zu Paulus“, preist die Deutsche Bibelgesellschaft die Comics an.
Optisch ungewöhnlich, bleibt das Bibel-Comic textlich immer nah dran am Original. Natürlich kann ein Comic mit Sprechblasen nicht die ganze theologische Tiefe des Bibeltextes entfalten, dennoch bringen diese farbigen Geschichten den Inhalt der Bibel besonders einem jüngeren Publikum nahe.
Comic hielt theologischer Prüfung stand
Die „Picture Bible” war die erste Comic-Ausgabe von biblischen Geschichten. Damals sprach man vom „Abenteuer-Stil“, sagt Sven Bigl von der Deutsche Bibelgesellschaft. „Die Bildwelten und die Ästhetik lehnen sich an die Superhelden-Geschichten der damaligen Zeit an.“
Der Illustrator André le Blanc schuf ab den 1940er Jahren Comicstrips und arbeitete an bekannten Comics wie „The Spirit”, „The Phantom” und „Flash Gordon” mit. Le Blanc wurde in Haiti geboren und zog in den 1920er Jahren in die USA. Er war Dozent an der School of Visual Arts in New York. Le Blanc verstarb 1998 im Alter von 77 Jahren.
In den 60er Jahren fragte ihn der amerikanische christliche Verlag „David C Cook” an, biblische Comics für eine Zeitschrift für die Sonntagsschule zu zeichnen. So entstanden 1975 die ersten Sammelbände. Der christliche Verlag „David C Cook” wurde 1875 als Anbieter von Lehrmaterial für die Sonntagsschule gegründet und ist nach wie vor einer der größten Verlage für derartige Materialien. David Caleb Cook, Autor und Pionier der amerikanischen Sonntagschulbewegung, gründete das Unternehmen 1875 in Chicago. Sein Ziel war es, erschwingliches Unterrichtsmaterial für Kinder bereitzustellen, die durch den Großen Brand von Chicago obdachlos geworden waren.

Ein westfälischer Pfarrer namens Herbert Schmidt entdeckte die Comics in den Niederlanden und legte sie der Cansteinschen Bibelanstalt in Westfalen vor. Diese druckte die Geschichten erstmals 1977 auf Deutsch ab. „Damals ein Aufreger“, sagt Bigl. Denn es entbrannte ein Streit darüber, ob ein Comic die Würde des Bibeltextes verletze. Ein Alttestamentler wurde für eine theologische Fachprüfung beauftragt, und dessen überliefertes Urteil lautete: „Dies ist ganz bestimmt kein Pudding-Aufguss der Bibel.“
Später übernahm die 1981 gegründete Deutsche Bibelgesellschaft die Lizenz für den Abdruck der Bibel-Comics. Die Bildsprache war über Jahrzehnte hinweg prägend. Bigl erklärt: „Wenn man heute mit Menschen über 60 spricht, hört man oft, dass noch heute beim Lesen einer Bibelgeschichte als erstes Erinnerungen an die Bilder dieses Comics aufkommen.“ Und noch heute setzen Religionslehrer Bildmaterial daraus im Unterricht ein.
Ähnlich alt wie Kees de Korts Bibel-Illustrationen
Der Vergleich mit den sehr erfolgreichen Bibel-Illustrationen des niederländischen Grafikers Kees de Kort liegt nahe. Auch dessen Bilder haben mehrere Generationen von Bibellesern geprägt. „Zeitlich liegen die Veröffentlichungen der Comics und der ersten Kees de Kort-Bibel tatsächlich beieinander“, sagt Bigl. „Allerdings richten sich Letztere eher an Kinder. Die Comics sind für ein älteres Publikum gedacht, für Teenager.“
Auch in der Wirkung ähnelten sich die Bibel-Bücher, so Bigl. „Das Bibel-Comic ist für uns ein Longseller, der sich auch in der vierten Generation weiter gut verkauft. Inzwischen kaufen Großeltern sie für ihre Enkelkinder.“ Der Wunsch von damals, dass sich die Bibel über diesen Weg auch am Kiosk verkaufen ließe, erfüllte sich indes nicht. Nachgefragt sei „Die Bibel im Bild“ vor allem im konfessionellen Buchhandel, sagt Bigl. „In christlichen Familien, in denen die Bibel eine große Rolle spielt, hat die Comic-Bibel einen festen Platz bekommen, sei es im freikirchlichem oder im landeskirchlichen Umfeld.“
In der Jubiläumsausgabe der Deutschen Bibelgesellschaft erscheint die 15-teilige Serie nun als gebundene Ausgabe im Schuber.
Comic-Reihe „Die Bibel im Bild“. 50 Jahre-Jubiläumsausgabe, 15-teilige Serie, Deutsche Bibelgesellschaft, 936 Seiten, 138 Euro, ISBN: 978-3438042996