Gläubiger Astronaut saß auf Raumstation fest

Eigentlich sollten die beiden Astronauten Suni Williams und Barry Wilmore nur eine Woche auf der ISS bleiben. Wegen einer Panne wurden daraus neun Monate. Wilmore hielt in der Zeit Kontakt zu seiner Gemeinde – und sprach über seinen Glauben.
Von Jörn Schumacher
Astronaut Barry Wilmore

Die Geschichte sorgte für Schlagzeilen weltweit: Eigentlich sollten die beiden Nasa-Astronauten Suni Williams und Barry Wilmore nur acht Tage auf der Internationalen Raumstation ISS bleiben, als sie im Juni vorigen Jahres aufbrachen. Doch es gab technische Probleme mit ihrem Raumschiff „Starliner“, das sie zur Erde zurückbringen bringen sollte. Die Nasa entschied aus Sicherheitsgründen, sie stattdessen mit einem „Crew Dragon“ abzuholen, die zum Raumfahrtunternehmen „SpaceX“ von Elon Musk gehört. Aus acht Tagen, wie geplant, wurden 286 Tage.

Williams und Wilmore kehrten am 18. März 2025 in der „SpaceX“-Dragon-Kapsel zur Erde zurück, gemeinsam mit ihren Kollegen Nick Hague (USA) und Alexander Gorbunow (Russland). Ihre Kapsel landete im Meer vor der Küste in Florida.

Während seines Aufenthalts im All sprach Wilmore in Live-Schalten in die ISS immer wieder auch über seinen Glauben und dass er es als großes Geschenk sehe, die Schöpfung Gottes von oben sehen zu können. „Ich weiß nicht, warum mit der Herr dieses Erlebnis geschenkt hat, aber ich bete, dass er dadurch verherrlicht wird“, sagte der Astronaut. In einem Interview hielt er fast so etwas wie eine Kurzpredigt: „Jesus sündigte nie. Er ging ans Kreuz und starb für meine Sünden. Nur Jesus kann den Preis für Sünde zahlen.“

Bei einer Pressekonferenz der US-Raumfahrtbehörde Nasa am 31. März sprachen Williams und Wilmore über die unfreiwillig verlängerte ISS-Mission. Doch Wilmore sprach auch offen über seinen Glauben. Er besuchte über Internet-Stream die Sonntagsgottesdienste seiner Providence Baptist Church, deren Ältester er ist, sowie der Grace Baptist Church in Mount Juliet, Tennessee, wo er bei seiner Mutter aufwuchs.

Von einer Journalistin angesprochen auf seinen Glauben, sagte Wilmore: „Das Wort Gottes erfüllt mich, ich brauche es.“ Es sei für ihn in der gesamten unfreiwillig langen Zeit im All wichtig gewesen, den Kontakt zu seiner Gemeinde und zu seinem Pastor zu halten. „Als jemand, der an Jesus Christus glaubt, ist das ein Teil dessen, was mich überhaupt antreibt.“

In einem Interview mit dem britischen Magazin „Evangelical Times“ sagte Wilmore Ende März, er erinnere sich noch gut an seinen Flug mit dem Raumschiff „Atlantis“ und den Blick aus dem Fenster auf die Erde kurz nach dem Start. „Es war unglaublich, faszinierend – alles zur Ehre Gottes. Ich dachte an die Erhabenheit dessen, was ich sah, und empfand das Privileg, dass der Herr mir die Möglichkeit gegeben hatte, dies zu sehen. Doch ich musste nicht in den Weltraum reisen, um etwas Neues über Gott zu erfahren – die Heilige Schrift genügte.“

Der 62-jährige Wilmore war, bevor er Astronaut wurde, Testpilot der amerikanischen Navy. Beide seiner Eltern seien Christen, sagte er in einem Interview. Wilmore war insgesamt dreimal im All, das erste Mal 2009. Er besucht eine christliche Gemeinde in Houston. Wilmore forschte über einen kurzen Zeitraum auf der ISS gemeinsam mit Tracy Dyson. Beide besuchen in Houston die gleiche christliche Gemeinde. Dyson kehrte allerdings bereits im September 2024 auf die Erde zurück.

Verzögerung wurde zum Politikum

Auf der Pressekonferenz sprachen die zurückgekehrten Astronauten allerdings wenig darüber, dass sie sich auf der ISS „gestrandet“ fühlten. Vielmehr vermittelten sie den Eindruck, als wunderten sie sich über die Aufmerksamkeit, die ihr erzwungener Aufenthalt auf der 400 Kilometer über der Erde schwebenden Station auslöste. „Die Geschichte vom Feststecken und Gestrandetsein … ja, davon haben wir gehört“, sagte Wilmore. In einem Interview mit CNN am 13. Februar sagte Wilmore von der Raumstation: „Wir fühlen uns nicht im Stich gelassen. Wir fühlen uns nicht festgefahren. Wir fühlen uns nicht gestrandet.“

Wie die beiden Astronauten zu ihrer verspäteten Rückkehr stehen, ist durchaus auch politisch relevant. Denn die gescheiterte Rückkehr von Williams und Wilmore wurde in der Zwischenzeit auf der Erde zum Politikum. US-Präsident Donald Trump hatte in einem Interview mit Fox-News am 18. Februar behauptet, der ehemalige Präsident Joe Biden habe sie absichtlich im Stich gelassen, um politische Gegenreaktionen zu vermeiden. Trump sagte: „Sie hatten kein grünes Licht von Biden. Er wollte sie im Weltraum zurücklassen. Ich glaube, er wollte sie im Weltraum zurücklassen. … Er wollte keine Publicity. Können Sie das glauben?“ Am 28. Januar postete Trump auf Truth Social: „Ich habe Elon Musk und @SpaceX gerade gebeten, die beiden mutigen Astronauten zu holen, die von der Biden-Regierung im Weltraum praktisch im Stich gelassen wurden.“

Das stimmt nachweislich nicht: Es war zwar eine „SpaceX“-Dragon-Kapsel, die die Astronauten schließlich zur Erde zurückbrachte. Aber es war ein Raumschiff, das bereits seit September 2024 an der ISS befestigt war, nicht eines, von dem Trump sagte, er habe Musk angewiesen, „die beiden tapferen Astronauten zu holen“. Der frühere Nasa-Chef unter US-Präsident Biden, Bill Nelson, hatte den Start angeordnet.

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