Vom 31. März bis zum 1. April 2025 hielt der demokratische Politiker Cory Booker aus Protest gegen die zweite Präsidentschaft von Donald Trump die längste Rede in der Geschichte des US-Kongresses – sie dauerte 25 Stunden und 5 Minuten. Booker hatte zuvor angekündigt, so lange zu sprechen, „wie ich körperlich dazu in der Lage bin“. Booker hielt die längste Rede in der Geschichte des US-Senats und übertraf damit Strom Thurmonds 24 Stunden und 18 Minuten lange Rede zum Civil Rights Act von 1957.
Booker nutzte eine Regelung aus, die im Kongress für jeden Redner gilt: den Filibuster. Dieser basiert auf einer Regelung, die den demokratisch gewählten Abgeordneten unter bestimmten Voraussetzungen unbegrenzte Redezeit im US-Senat erlaubt. Um 19 Uhr am Montagabend (Ortszeit) begann Booker seine Rede, 25 Stunden später stand er immer noch hinter dem Rednerpult im Kongress. „Nicht etwa müde und erschöpft, sondern voller Elan, unterhaltsam, Witze reißend“, wie viele Medien auch in Deutschland bemerkten. Mehrfach zitierte der Demokrat die schwarzen Bürgerrechtler John Lewis und Martin Luther King. Der Fokus seiner Rede war Kritik an dem „verfassungswidrigen Vorgehen Trumps“. „In nur 71 Tagen hat der Präsident der Vereinigten Staaten der Sicherheit der Amerikaner, der finanziellen Stabilität, den Grundlagen unserer Demokratie so viel Schaden zugefügt“, so der Demokrat.
Nach dem Ende seiner Rede berichteten Medien weltweit über die Rekord-Rede. Und noch während des Filibuster teilten Nutzer in den Sozialen Medien vielfach den Link zum Live-Stream aus dem Senat. In den Kommentaren wurde der 55-Jährige gefeiert.
Booker wuchs in einem christlichen Haushalt auf, seine Familie besuchte die African Methodist Episcopal Church in New Jersey. Seit fast zehn Jahren besucht er die Metropolitan Baptist Church in Newark. Booker ist seit 2013 ranghöchster US-Senator für New Jersey und damit der erste afroamerikanische Senator dieses Staates. Von 1998 bis 2002 war er Mitglied des Stadtrats von Newark, von 2006 bis 2013 Bürgermeister. In seiner Amtszeit setzte er sich besonders dafür ein, den illegalen Waffenbesitz einzuschränken, die Kriminalitätsrate zu senken und den Haushalt zu verschlanken. Nach seinem Amtsantritt kürzte Booker unter anderem sein eigenes Gehalt freiwillig zwei Mal.
Geboren wurde Booker in Washington, D.C. Er studierte an verschiedenen Elite-Universitäten der USA Politikwissenschaften, Soziologie und Geschichte. Bereits während dessen erster Präsidentschaft war Booker ein energischer Gegner von Donald Trump. Für die Wahl 2020 stellte sich der schwarze Politiker selbst für eine Kandidatur auf.
Booker nahm am 6. Januar 2021 an der Bestätigung der Stimmenauszählung des United States Electoral College teil, als Trump-Anhänger das US-Kapitol stürmten. Booker schrieb danach auf Twitter: „Trump hat einen gewaltsamen Aufstand gegen unsere eigene Regierung angezettelt. Der Kongress sollte bereit sein, den Präsidenten anzuklagen und abzusetzen, wenn der Vizepräsident und sein Kabinett ihrer verfassungsmäßigen Pflicht nicht nachkommen. Wir müssen unsere nationale Sicherheit schützen.“
„Mein ganzes Leben baut auf einem Glauben an Gott auf“
Bei einem Town Hall Meeting mit Wählern 2019 fragte ein Zuschauer nach dem Glauben des Demokraten, und Booker antwortete: „Ich sage immer: Bevor wir über deine Religion sprechen, zeig mir, wie du mit Menschen umgehst.“ In der Sonntagsschule habe er das Bibelzitat verinnerlicht: „Glaube ohne Werke ist tot.“ Dann fügte er hinzu: „Mein ganzes Leben baut auf einem Glauben an Gott auf. Das bedeutet zuallererst: Demut vor Gott. Andere Menschen sollte man als Brüder und Schwester betrachten, unabhängig von ihrem Glauben. Das steckt in ‚Liebe deinen Nächsten‘. Das ist nicht immer einfach, ich weiß.“ Booker ergänzte: „Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir sind keine Theokratie, sondern wir bauen auf dem Ideal auf, dass viele Menschen zusammenkommen und ein großes, starkes Ganzes formen. ‚E pluribus unum‘.“ Dieser lateinische Satz, der auf Deutsch „Aus vielen eines“ bedeutet, ist der offizielle Wappenspruch der Vereinigten Staaten.
„Mein Glaube zieht keine Grenzen“
In einem Interview mit dem bekannten amerikanischen Pastor und Bestsellerautor Jim Wallis sprach Booker 2019 ausführlich auch über seinen Glauben. „Wir sehen manchmal die Arroganz des Glaubens, aber meine Eltern haben mich gelehrt, dass man in jedem Kind Gottes ein Spiegelbild des göttlichen Menschen sieht, der nach Gottes Ebenbild geschaffen ist“, so Booker. „Die erste Reaktion darauf sollte Ehrfurcht und Demut sein.“ Manchmal falle ihm besonders Jesu Gebot der Feindesliebe schwer, so Booker. „Wenn ich mit jemandem spreche, der mir wütend und verletzend begegnet, muss ich mich zwingen in Gedanken ‚Ich liebe dich‘ zu sagen. Und ich scheitere oft.“
Seine politische Anschauung drehe sich nicht „um rechts, links, Demokrat, Republikaner – sondern darum, die Weisheit zu finden, ein Anführer zu sein, der Gemeinsamkeiten und eine gemeinsame Basis offenbart und radikale Liebe entfacht.“ Sein Ideal im politischen Kampf auch gegen Trump sei es, „ihn mit Liebe zu schlagen“.
Booker ist dafür bekannt, eine gute Beziehung zu jüdischen Gemeinschaften zu haben und sich im Judentum gut auszukennen. Durch seinen christlichen Glauben habe er sich intensiv mit dem Judentum beschäftigt, so Booker, und dadurch „ein starkes Wachstum in meinem Glauben erfahren“.
Seiner Meinung nach nutzten Menschen zu oft Religion, um sich abzugrenzen. „Nach dem Motto: Ich bin der Gläubige, ihr seid Heiden, ihr seid nicht wirklich …“ Booker weiter: „Ich denke, mein Glaube ist nicht wertend. Er zieht keine Grenzen. Er ist inklusiv und grundlegend mit patriotischer Liebe verbunden – in einer Gesellschaft, die religiöse Vielfalt so sehr feierte, dass sie in unsere Verfassung aufgenommen wurde.“