SUCHE 
NachrichtenFernsehenRadioInternetPolitikWirtschaftGesellschaftPädagogikJournalismusBücherFilmMusikKommentarVideos
 
Politik

USA: Evangelikale driften nach links

Die Kulturwissenschaftlerin Marcia Pally prognostiziert: Künftig werden amerikanische Evangelikale vermehrt die Demokraten wählen. Am Donnerstag sprach sie an der Berliner Humboldt-Universität über das Verhältnis der Christen in den USA zum Staat und den wachsenden Einfluss der "Neuen Evangelikalen".


Lange seien die Evangelikalen in den USA als "politische Lemminge" wahrgenommen worden, die ihre Stimme jenen gäben, die eine Politik gegen Abtreibung und gegen die Rechte Homosexueller machten. Doch bereits 2008 hätte ein Drittel der unter 40-Jährigen Christen für die Demokraten gestimmt, ebenso wie 26 Prozent der älteren weißen Evangelikalen. Für die Zukunft erwartet Pally eine weitere Verschiebung. Ihre Prognose: Mehr Evangelikale werden die Demokraten wählen.

Pally hat den Terminus der "Neuen Evangelikalen" geprägt. Darunter versteht sie eine junge Generation engagierter Christen, die vor allem als Akteure der Zivilgesellschaft auf sich aufmerksam machen. Sie sähen ihre Aufgabe weniger darin, Politik zu machen, als Politiker kritisch zu begleiten, ganz nach dem Vorbild der Propheten im Alten Testament. Zwischen 1960 und 2004 habe es eine klare Koalition Evangelikaler mit den Republikanern gegeben. Diese Bindung habe sich gelöst. Der "Fehler des Irak-Krieges" und der Gebrauch von Folter auf Seiten der Amerikaner hätten bei den Evangelikalen zu einem Umdenken geführt – einhergehend mit einer Neu-Interpretation der Bibel. So nähmen gläubige Christen den persönlichen Einsatz für soziale Gerechtigkeit wichtiger. Der Bund mit Gott werde als eng verknüpft mit der Verbindung zum Nächsten gesehen. Auch die Ökumene werde stärker betont. Pally zählt 19 Prozent der amerikanischen Christen zu den eher linken "Neuen Evangelikalen".

Evangelikale: Gegen soziale Hängematte und Abtreibung

Die meisten Evangelikalen würden weiterhin republikanisch wählen, stellte Pally fest. Dort empfänden sie ihr Interesse an einer Anti-Abtreibungspolitik und der Durchsetzung eines "schlanken Staates" eher vertreten. Diesem liberalen Politikmodell folgend, sollen Bürger und Wirtschaft möglichst selbstbestimmt, dafür aber auch ohne eine breite soziale Hängematte leben. Der Grund für diese Vorliebe vieler Christen liege auch in deren breitem sozialen Engagement. Wer sich 30 Stunden in der Woche freiwillig und neben seinem Beruf sozial engagiere, dem sei schwer zu vermitteln, warum der Staat sich um die Menschen kümmern solle, erklärte Pally. Oft habe sie in ihren Feldstudien unter evangelikalen Christen zum Beispiel den Satz gehört: "Wenn jede Kirche in den USA medizinische Hilfsprogramme durchführt, bräuchten wir keine staatliche Gesundheitsvorsorge."

Die Tatsache, dass der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Mitt Romney, ein Mormone ist, "scheint für sehr sehr wenige Wähler eine Rolle zu spielen", sagte Pally. Grundsätzlich sei sein Bekenntnis zum Glauben ein Plus im Wahlkampf. Die meisten akzeptierten das Mormonentum als Teil der Christenheit. Die Popularität der "Tea Party"-Bewegung führt Pally auf eine politische Frustration der Bürger zurück. Viele seien mit Demokraten und Republikanern unzufrieden, daher folgten sie dieser konservativ-libertären Bürgerbewegung. Für einen Fehler hält Pally es, dass die Evangelikalen mit der "Tea Party" assoziiert würden. Die Expertin sprach sich gegen verbreitete Vorurteile aus: "Es gibt einen großen Unterschied zwischen Fundamentalisten und Evangelikalen." Über einen Großteil des letzten Jahrhunderts seien Letztere als Gefahr, als fundamentalistisch, intolerant und neoliberalistisch wahrgenommen worden – Annahmen, die nicht der Wahrheit entsprächen, stellte Pally klar. Fest stehe auch: "Die Neuen Evangelikalen haben die politische Rechte verlassen." (pro)


VON: aw | 22.06.2012

Name
Name
Kommentar
E-Mail
E-Mail
Kommentar
 

Kommentare [0] >>>

Musik

"Songtalent"-Gewinner im Interview

Christian Schellenberg hat auf dem Kirchentag in Hamburg den christlichen Musikwettbewerb "Songtalent 2013" gewonnen. Der 28-Jährige setzte sich gegen rund 250 Bewerber durch. Im Interview mit pro erzählt er, dass er ursprünglich gar nicht an dem Contest teilnehmen wollte. mehr ...

Nachrichten

Kirchentag in 3 Minuten

Mehr als 150.000 Gläubige waren vom 1. bis 5. Mai in Hamburg, um den Kirchentag mitzuerleben. Promis aus Politik, Kultur und Wirtschaft haben über aktuelle Gesellschaftsthemen diskutiert und Bibelstellen ausgelegt. pro war dabei und hat Impressionen und Stimmungen für Sie festgehalten. Erleben Sie den Kirchentag noch einmal mit, kompakt in drei Minuten. mehr ...

Internet

Top 10: Diese Politiker haben die meisten Follower

Welche Politiker sind die Stars im Netz? Dieser Frage ist das Meinungsforschungsinstitut Forsa nachgegangen. Demnach hat Angela Merkel derzeit die meisten Follower in Sozialen Netzwerken. Herausforderer Peer Steinbrück liegt auf Platz drei. mehr ...



PRO Medienmagazin PRO Kompakt PRO WerteBibliothek

© 2005–2013 | Das Christliche Medienmagazin pro ist ein Arbeitsbereich des Christlichen Medienverbunde KEP e.V. | www.kep.de