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Pädagogik

Kinder-Medien-Welten: Neue Technik, alte Kritik

Der iPod ist das neue Grammophon. Klingt seltsam, ergibt aber Sinn – zumindest für Besucher der Ausstellung "KinderMedienWelten 1885-2011" im Berliner "Museum für Kommunikation". Dutzende Exponate zeigen, wie sehr sich das Medienverhalten der Jüngsten über die Jahrzehnte verändert hat, wie gleich aber die Kritik daran geblieben ist.

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"Viele Kinder sind als Konsumenten von Hörspielen zu Einzelgängern geworden", sagte Werner Glogauer vor 21 Jahren. Das dürfte vielen bekannt vorkommen – zumindest, wenn man das Wort Hörspiele durch "Facebook", "World of Warcraft" oder "Gute Zeiten Schlechte Zeiten" ersetzt. Die Kritik an neuen Medien ist anhaltend und vehement. Dass sie das schon immer war und wie sich die Medienwelt der Kinder verändert hat, zeigt das "Museum für Kommunikation" noch bis zum 20. Mai mit 80 Exponaten.

So war etwa das "Fadentelefon" 1965 der letzte Schrei. Eigentlich ist es nichts anderes, als das gute alte Dosentelefon. Zwei wie Ohrmuscheln geformte Halbkugeln aus Holz, durch eine Kordel verbunden, dienen der Übertragung gesprochener Worte auf größere Entfernung. Heute nennt man so etwas Handy und es kommt ganz ohne physische Verbindung aus – ist bei den Jüngsten aber ebenso beliebt. Was 1885 noch ein klassisches Poesiealbum war, in das sich Freunde mit netten Sprüchen eintragen konnten, funktioniert heute elektronisch und trägt die Aufschrift "Hello Kitty". Diese Entwicklung, weg vom klassischen Spielzeug, hin zu technisch teils hochkomplizierten Geräten, ist wohl die prägnanteste Veränderung, die die Ausstellung "KinderMedienWelten" zeigt.

Propagandafalle für Kinder

Zeitlich geht sie bis ins 19. Jahrhundert zurück. Hier entwickelten sich die ersten Kindermedien, ein eigener Markt entstand. Das Kind wurde als Konsument entdeckt. Von dort war es ein weiter Weg bis hin zu "Bob der Baumeister"-DVDs, "Ki.Ka" und "iPod". Kindergrammophone und Romanhefte eroberten den neuen Markt. Auch das sogenannte "Guckkastenbuch" kam in Mode – ein Konstrukt aus Pappe zum Aufstellen, das Geschichten in Bildern und dreidimensional zeigt.

Ab dem Ersten Weltkrieg wurden Kindermedien auch zu Propagandazwecken genutzt. Die Ausstellung zeigt Schulbücher, in denen Adolf Hitler glorifiziert wird. Doch bis heute werden Kinderbücher oder Comics auch für Werbezwecke eingesetzt. Ein Beispiel ist die Comic-Figur "Lurchi", von der ganze Serien produziert wurden. Lurchi ist die Markenfigur des Schuhherstellers "Salamander". Selbstverständlich trägt der Held auch das Schuhwerk des Unternehmens. Christliche Organisationen nutzen ebenfalls die bunten Bilder als Missionierungsinstrument, indem sie sogenannte Comic-Traktate herausgeben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und zunehmend ab den 60er Jahren wurde das TV zum verbreiteten Kindermedium. Doch auch elektronische Spiele begannen, den Markt zu beherrschen, ab 1980 etwa der "Commodore 64". Schon seit den 60ern wandten sich Eltern gegen diese Entwicklung und sprachen von "Kommerzialisierung" und "Medialisierung" der Kinderwelt. Gehindert hat das die Spieleindustrie nicht daran, immer ausgeklügeltere Elektronikgeräte herauszubringen. Bis zur Jahrtausendwende erlebten Kinder in Deutschland und weltweit die Popularität von Tamagotchis, einem elektronischen Haustier in Ei-Form, Gameboys und TV-Sendern wie "Ki.KA", deren Programm sich speziell an Kinder richtet. Heute sind es Soziale Netzwerke oder iPods, die Kinderherzen höher schlagen lassen. Die Kritik daran ist geblieben und liest sich ähnlich wie die von Werner Glogauer im Jahr 1991. (pro)


VON: aw | 28.03.2012

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