Kinder-Medien-Welten: Neue Technik, alte Kritik
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"Viele Kinder sind als Konsumenten
von Hörspielen zu Einzelgängern geworden", sagte Werner
Glogauer vor 21 Jahren. Das dürfte vielen bekannt vorkommen –
zumindest, wenn man das Wort Hörspiele durch "Facebook",
"World of Warcraft" oder "Gute Zeiten Schlechte
Zeiten" ersetzt. Die Kritik an neuen Medien ist anhaltend und
vehement. Dass sie das schon immer war und wie sich die Medienwelt
der Kinder verändert hat, zeigt das "Museum für Kommunikation"
noch bis zum 20. Mai mit 80 Exponaten.
So war etwa das
"Fadentelefon" 1965 der letzte Schrei. Eigentlich ist es
nichts anderes, als das gute alte Dosentelefon. Zwei wie Ohrmuscheln
geformte Halbkugeln aus Holz, durch eine Kordel verbunden, dienen der
Übertragung gesprochener Worte auf größere Entfernung. Heute nennt
man so etwas Handy und es kommt ganz ohne physische Verbindung aus –
ist bei den Jüngsten aber ebenso beliebt. Was 1885 noch ein
klassisches Poesiealbum war, in das sich Freunde mit netten Sprüchen
eintragen konnten, funktioniert heute elektronisch und trägt die
Aufschrift "Hello Kitty". Diese Entwicklung, weg vom
klassischen Spielzeug, hin zu technisch teils hochkomplizierten
Geräten, ist wohl die prägnanteste Veränderung, die die
Ausstellung "KinderMedienWelten" zeigt.
Propagandafalle
für Kinder
Zeitlich geht sie bis ins 19. Jahrhundert
zurück. Hier entwickelten sich die ersten Kindermedien, ein eigener
Markt entstand. Das Kind wurde als Konsument entdeckt. Von dort war
es ein weiter Weg bis hin zu "Bob der Baumeister"-DVDs,
"Ki.Ka" und "iPod". Kindergrammophone und
Romanhefte eroberten den neuen Markt. Auch das sogenannte
"Guckkastenbuch" kam in Mode – ein Konstrukt aus Pappe
zum Aufstellen, das Geschichten in Bildern und dreidimensional
zeigt.
Ab dem Ersten Weltkrieg wurden Kindermedien auch zu
Propagandazwecken genutzt. Die Ausstellung zeigt Schulbücher, in
denen Adolf Hitler glorifiziert wird. Doch bis heute werden
Kinderbücher oder Comics auch für Werbezwecke eingesetzt. Ein
Beispiel ist die Comic-Figur "Lurchi", von der ganze Serien
produziert wurden. Lurchi ist die Markenfigur des Schuhherstellers
"Salamander". Selbstverständlich trägt der Held auch das
Schuhwerk des Unternehmens. Christliche Organisationen nutzen
ebenfalls die bunten Bilder als Missionierungsinstrument, indem sie
sogenannte Comic-Traktate herausgeben.
Nach dem Zweiten
Weltkrieg und zunehmend ab den 60er Jahren wurde das TV zum
verbreiteten Kindermedium. Doch auch elektronische Spiele begannen,
den Markt zu beherrschen, ab 1980 etwa der "Commodore 64".
Schon seit den 60ern wandten sich Eltern gegen diese Entwicklung und
sprachen von "Kommerzialisierung" und "Medialisierung"
der Kinderwelt. Gehindert hat das die Spieleindustrie nicht daran,
immer ausgeklügeltere Elektronikgeräte herauszubringen. Bis zur
Jahrtausendwende erlebten Kinder in Deutschland und weltweit die
Popularität von Tamagotchis, einem elektronischen Haustier in
Ei-Form, Gameboys und TV-Sendern wie "Ki.KA", deren
Programm sich speziell an Kinder richtet. Heute sind es Soziale
Netzwerke oder iPods, die Kinderherzen höher schlagen lassen. Die
Kritik daran ist geblieben und liest sich ähnlich wie die von Werner
Glogauer im Jahr 1991. (pro)
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