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Kommentar

Bundesliga und Glaube passen zusammen

Ein Kommentar zum Abgang eines frommen Fußball-Trainers

Nach einer bespiellosen Demontage durch den eigenen Vorgesetzten hat der Trainer des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln seinen sofortigen Rücktritt erklärt. So etwas kommt vor im harten Profigeschäft. Doch Frank Schaefer (47) ist nicht irgendein Fußball-Lehrer. Und die Art und Weise, wie ihn Sportdirektor Volker Finke (63) rausgeekelt hat, ist auch nicht normal. Schaefer ist Christ, erfolgreicher Trainer und ewig im Verein. Er übernahm die desolate Mannschaft am neunten Spieltag als Tabellenschlusslicht und führte sie bis ins Mittelfeld, ehe es zuletzt – unter dem Eindruck der Querelen – deftige Niederlagen gab. Sein Abgang ist die Folge des unsauber geführten Machtkampfs.

Der Kommentator von "zeit-online" bringt es auf den Punkt: "Finke hat den Trainer auf brutale Weise gemobbt: intern, indem er vor den Spielern seine Kompetenz in Frage stellte, extern, indem er ihm – unter Hinweis auf Schaefers Glauben – die Erdung absprach." Das klang im Wortlaut so: "Frank hat (…) seine starke Beziehung zum religiösen Glauben hervor gestellt, und dorther kommt ja offensichtlich sein Problem, den Job als Profifußball-Trainer mit seiner privaten Lebenssituation verbinden zu können. Da wirken die normalen Regeln des Fußball-Geschäfts nicht." Der Kölner "Express" titelte: "Finke: Der Glaube ist Schaefers Problem."

Ach, wirklich? Wie ist das denn bei den Fußballprofis, die Christen sind? Der langjährige Schalker Abwehrchef Marcello Bordon hat seine Gegenspieler an der Strafraumgrenze nicht umgebetet und Hamburgs Zé Roberto singt sich nicht den Weg durchs Mittelfeld frei. "Ich muss mich wundern, was aus diesem Thema gemacht wird. Ich kann nur sagen, dass Profifußball und Glauben sich sehr wohl vereinbaren", zitiert "Die Welt" Frank Schaefer. Und weiter: "Es gibt viele Bundesliga-Profis, die gläubig sind, manche sind sogar Prediger. Und trotzdem rasieren sie sich samstags die Knochen und suchen im Spiel ihren Vorteil." Im Sportmagazin "kicker" betonte der Trainer: "Ich habe niemals die Situation mit meinem Glauben begründet. Im Gegenteil: Der Glaube trägt mich durch den Job, er ist sogar eine Stärke von mir."

Fußballer, die Christen sind, sind wichtig. Sie sind sich ihrer Rolle bewusst und haben auch kein Problem damit, Vorbilder zu sein. Schade, dass mit Frank Schaefer wieder ein engagierter Christ die Bundesliga verlassen hat. Bordon ist ebenso weg wie Lucio. Du Ri Cha auch. Gerald Asamoah steigt mit St. Pauli wahrscheinlich ab. Ein Schicksal, das Cacau mit dem VfB Stuttgart gerade noch abgewendet hat.

Schaefer mit "ae" hat gut in die Bundesliga gepasst. Er hatte etwas zu sagen – und viele Fans haben ihm zugehört. Kostprobe: "Jeder Vers aus der Bibel ist ein kostbarer Schatz. Ich greife in verschiedenen Situationen darauf zurück. Der Glaube ist für mich nicht nur Trost, sondern auch Zuversicht und Freude – Leben pur." Dass er auch zum Schluss keine schmutzige Wäsche gewaschen – und vielleicht eher zu wenig als zuviel erklärt hat –, spricht für seinen Anstand.

Gehen der Bundesliga die prominenten Christen aus? Nein. Denn zum Glück passen Bundesliga und Christsein wirklich zusammen. Zwei Fromme sind sogar ganz erfolgreich. Der offensive Didier Ya Konan spielt mit Hannover 96 die Saison seines Lebens. Und ein anderer Trainer, Dortmunds Jürgen Klopp, streckt gar die Hände nach der Meisterschale aus. Vor drei Jahren bekannte er in der "Bild"-Zeitung: "Auch wenn ich manchmal tagsüber so viel zu tun habe, dass ich beim Abendgebet einschlafe. Auf alle Fälle beende ich jeden Tag mit einem Gebet. Grundsätzlich gibt es in meinem Leben unglaublich viele Gründe, mich im Minutentakt bei Gott zu bedanken. Aber auch in Phasen, in denen es mir nicht immer so gut ging, war mein Glaube gleich stark."

VON: Christoph Zörb | 28.04.2011

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