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"Jesus wäre der Superstar in Facebook"

Einen Blick in die katholische Blogosphäre wirft das Onlinemagazin "Sinnstiftermag" in seiner aktuellen Ausgabe. Der Theologe Norbert Kebekus fordert: Die Kirche muss im Web auf ihr Verkündigungsmonopol verzichten und sich der Konkurrenz auf dem Markt der Sinnangebote stellen.


"Sich in einem prinzipiell hierarchiefreien Kommunikationsraum zu bewegen, in dem die Grenze zwischen Anbieter und User verschwimmt, ist für die Kirche völlig ungewohnt", schreibt Kebekus, der Leiter des Referates Medienpastoral im Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg ist. Es sei aber notwendig, dass sie den "schwierigen Balanceakt", die innerkirchliche Pluralität zuzulassen, ohne den Wahrheitsanspruch der eigenen Lehre aufzugeben, wage. Ansätze dazu sieht er in der katholische Bloggerszene, der sogenannten "Blogözese".

In der Szene tummelten sich ganz unterschiedliche Menschen, auffallend sei aber, dass es überproportional viele Autorinnen und Autoren gebe, die konvertiert seien oder erst im Erwachsenenalter zum Glauben gefunden hätten. Institutionelle Blogs, etwa von Diözesen oder Kirchgemeinden, gebe es im deutschsprachigen Raum wenige. Vorbild vieler christlicher Blogger sei Paulus. "Paulus hat im Altertum Briefe geschrieben, heute würde er bloggen", sei eine Begründung dafür. Doch gerade von kirchlicher Seite werde Bloggern nach wie vor große Skepsis entgegengebracht.

Kirche hat seit Jahrtausenden Follower

Das sieht auch Harald Eichsteller so. Er ist Professor für Internationales Medienmanagement und Studiendekan des Masterstudiengangs Elektronische Medien an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart. Er habe den Eindruck, dass im Rahmen der Kirche oft die Frage im Vordergrund stehe, ob persönliche Kommunikation nicht eine höhere Qualität habe als die Kommunikation über digitale Kanäle. "Für mich ist es aber nicht ein 'entweder-oder', sondern ein 'sowohl-als auch'", sagt er im Interview mit "Sinnstiftermag".


Die Kirche habe die beste Voraussetzung überhaupt: "eine Botschaft und seit Jahrtausenden 'Follower'." Allerdings pflege sie auch einen traditionellen Kommunikationsstil – "eher Verkündung und Verbreitung mit normativem Charakter, statt offene Plattform". Nicht zuletzt deswegen habe der Vatikan die Kommentarfunktion auf Facebook gesperrt und jetzt seine Social Media-Aktivitäten über Twitter wiederbelebt. Auf die Frage, ob Jesus heute bloggen würde, hat Eichsteller eine eindeutige Antwort: "Aber hallo – wenn Fußballspieler, Schlagersternchen und Energiedrinks ein paar Millionen Fans in der digitalen Welt sammeln können, wäre Jesus der Superstar in Facebook, Twitter und mit seinem Blog!"

Zu Wort kommt auch der Jesus.de-Gründer Rolf Krüger. Am Bloggen fasziniere ihn, dass es die Möglichkeit eröffne, unfertige Gedanken bewegen zu können. Ein Blog enthalte per Definition ("Weblog" = "Web-Tagebuch") Unfertiges, Neues, Ungehörtes, Gewagtes. "Das können weder klassische Medien noch öffentliche Foren in dieser einmaligen Art und Weise leisten", findet Krüger. (pro)


VON: al | 20.12.2012

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