"Jesus wäre der Superstar in Facebook"
"Sich in einem prinzipiell
hierarchiefreien Kommunikationsraum zu bewegen, in dem die Grenze
zwischen Anbieter und User verschwimmt, ist für die Kirche völlig
ungewohnt", schreibt Kebekus, der Leiter des Referates
Medienpastoral im Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg ist. Es sei
aber notwendig, dass sie den "schwierigen Balanceakt", die
innerkirchliche Pluralität zuzulassen, ohne den Wahrheitsanspruch
der eigenen Lehre aufzugeben, wage. Ansätze dazu sieht er in der
katholische Bloggerszene, der sogenannten "Blogözese".
In
der Szene tummelten sich ganz unterschiedliche Menschen, auffallend
sei aber, dass es überproportional viele Autorinnen und Autoren
gebe, die konvertiert seien oder erst im Erwachsenenalter zum Glauben
gefunden hätten. Institutionelle Blogs, etwa von Diözesen oder
Kirchgemeinden, gebe es im deutschsprachigen Raum wenige. Vorbild
vieler christlicher Blogger sei Paulus. "Paulus hat im Altertum
Briefe geschrieben, heute würde er bloggen", sei eine
Begründung dafür. Doch gerade von kirchlicher Seite werde Bloggern
nach wie vor große Skepsis entgegengebracht.
Kirche hat
seit Jahrtausenden Follower
Das sieht auch Harald
Eichsteller so. Er ist Professor für Internationales
Medienmanagement und Studiendekan des Masterstudiengangs
Elektronische Medien an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart.
Er habe den Eindruck, dass im Rahmen der Kirche oft die Frage im
Vordergrund stehe, ob persönliche Kommunikation nicht eine höhere
Qualität habe als die Kommunikation über digitale Kanäle. "Für
mich ist es aber nicht ein 'entweder-oder', sondern ein 'sowohl-als
auch'", sagt er im Interview mit "Sinnstiftermag".
Die Kirche habe die beste
Voraussetzung überhaupt: "eine Botschaft und seit Jahrtausenden
'Follower'." Allerdings pflege sie auch einen traditionellen
Kommunikationsstil – "eher Verkündung und Verbreitung mit
normativem Charakter, statt offene Plattform". Nicht zuletzt
deswegen habe der Vatikan die Kommentarfunktion auf Facebook gesperrt
und jetzt seine Social Media-Aktivitäten über Twitter wiederbelebt.
Auf die Frage, ob Jesus heute bloggen würde, hat Eichsteller eine
eindeutige Antwort: "Aber hallo – wenn Fußballspieler,
Schlagersternchen und Energiedrinks ein paar Millionen Fans in der
digitalen Welt sammeln können, wäre Jesus der Superstar in
Facebook, Twitter und mit seinem Blog!"
Zu Wort kommt auch der Jesus.de-Gründer
Rolf Krüger. Am Bloggen fasziniere ihn, dass es die Möglichkeit
eröffne, unfertige Gedanken bewegen zu können. Ein Blog enthalte
per Definition ("Weblog" = "Web-Tagebuch")
Unfertiges, Neues, Ungehörtes, Gewagtes. "Das können weder
klassische Medien noch öffentliche Foren in dieser einmaligen Art
und Weise leisten", findet Krüger. (pro)
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Weiterführende Links zu dem Thema
- Zur aktuellen Ausgabe des [Sinnstiftermag]
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