Internet-Sucht: Mädchen tappen in Facebook-Falle
Rund ein Prozent der Deutschen ist
süchtig nach dem Netz, glaubt man dem, was Wissenschaftler der
Universitäten Lübeck und Greifswald in den vergangenen Monaten
ermittelt haben. Über 15.000 Personen im Alter von 14 bis 64 Jahren
wurden demnach befragt – 560.000 von ihnen gelten nun als süchtig,
wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans
(FDP), am Montag in Berlin bekanntgab. Der Netzkonsum von fünf
Prozent der Befragten ist demnach "problematisch". Auf die
Gesamtbevölkerung bezogen, bedeutet das: 2,5 Millionen Menschen sind
betroffen.
Sucht oder nicht Sucht
Bisher galten
laut Bundesregierung drei bis sieben Prozent der Internetnutzer als
"onlinesüchtig". Doch der Begriff ist umstritten. Kritiker
führen an, das Wort "Sucht" impliziere, dass ein
langfristiger und regelmäßiger Gebrauch des Internets zur
Abhängigkeit führt. Menschen, die täglich acht Stunden am Rechner
arbeiteten und im Internet surften, würden aber keineswegs
automatisch süchtig danach. Bisher war das Phänomen in Deutschland
kaum erforscht. Auch die neue Studie deklariert keinen Anspruch auf
Vollständigkeit, schon jetzt steht fest: Eine Nachfolgestudie soll
noch mehr Licht ins Dunkel bringen.
Als gesichert
betrachten die Forscher allerdings die Erkenntis, dass eine
Internet-Abhängigkeit unter den 14- bis 24-Jährigen am weitesten
verbreitet ist. Über zwei Prozent gelten hier als abhängig, der
Internetkonsum von fast 14 Prozent ist laut Studie "problematisch".
Auffällig ist, dass in der Altersgruppe der 14- bis 16-Jährigen
deutlich mehr Mädchen als internetabhängig gelten. Sie nutzen
vorwiegend soziale Netzwerke im Internet und eher selten
Onlinespiele, bei den Jungen ist es umgekehrt. "Wir vermuten,
dass Mädchen und junge Frauen besonders empfänglich sind für die
Bestätigungen, die man in sozialen Netzwerken findet, und dadurch
auch eher eine Abhängigkeit entwickeln können", teilte Hans-Jürgen Rumpf von der Universität Lübeck
mit.
Kontrollverlust und
Entzugserscheinungen
Internetabhängigkeit wird in der
Studie unter anderem durch eine Reihe von Merkmalen bestimmt.
Internetsüchtige leben fast nur noch in der virtuellen Welt. Die
Betroffenen verlieren die Kontrolle darüber, wie viel Zeit sie im
Internet verbringen, sie leiden unter Entzugserscheinungen wie
Missstimmung, Angst, Reizbarkeit oder Langeweile. Abhängige nutzen
das Internet, um schlechten Gefühlszuständen zu entrinnen und
nehmen dabei auch negative Konsequenzen in Kauf. In Extremfällen
gehen sie nicht mehr zur Arbeit oder zur Schule, vernachlässigen
soziale Kontakte und verwahrlosen teilweise sogar körperlich.
So
forderte die Drogenbeauftragte Dyckmans am Montag "zielgenaue
Präventionsarbeit und gute und effektive Beratungs- und
Behandlungsangebote besonders für die junge Altersgruppe". Sie
kündigte an, die Computerspiel- und Internetsucht werde im kommenden
Jahr ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sein: "Ich möchte zusammen
mit Experten klären, ob und wie die Suchtgefährdung in die
Altersbewertung von Computerspielen aufgenommen werden kann.
Besonders suchtgefährdende Spiele sollten anhand von klaren
Kriterien ermittelt werden und eine höhere Altersbewertung
erhalten." (pro)
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W. Pabst | 27.09.2011 07:42:18
Wer den Lebensstil (den man nicht teilen muss) einer ganzen nachkommenden Generation pauschal zur Krankheit erklärt und von oben herab mit Suchtberichten und Professorenstudien überzieht, sollte dann kein dummes Gesicht machen, wenn die sich ihre eigene Partei schafft.
beobachter | 26.09.2011 14:57:12
was fürht denn dazu das junge menschen lieber im internet rumhängen? welchen einfluss haben z.b. eltern die keine zeit mehr für kinder haben oder wenn kinder von klein auf fremdbetreut wurden? wenn eltern keine zeit haben für ihre kinder wo soll denn da die bestätigung für junge menschen her kommen wo das selbstwertgefühl? michael gorbatschow in seinem buch perestroika:"Wir haben erkannt, dass viele unserer Probleme im Verhalten vieler Kinder und Jugendlicher- in unserer Moral, der Kultur und der Produktion- zum Teil durch die Lockerung familiärer Bindungen und die Vernachlässigung der familiären Verantwortung verursacht werden. Dies ist ein paradoxes Ergebnis unseres ernsthaften und politisch gerechtfertigten Wunsches, die Frau dem Mann in allen Bereichen gleichzustellen. Mit der Perestroika haben wir angefangen, auch diesen FEHLER zu überwinden." was wenn das abtauchen in eine andere welt nur der rauch des feuers ist und das feuer die zerstörung der familien?