Dschihad für die ganze Familie
Der NDR-Beitrag stellt vor allem
die Raffinesse heraus, mit der die Islamisten agieren. Während früher
vor allem mit martialischen Bildern radikalisiert worden sei, werde dieses
Bild heute durch eine massive "familienfreundliche" Online-Präsenz
ergänzt. Die perfekte Aufbereitung der Thematik durch islamistische
Produktionsfirmen schaffe Motivation und sei in vielen Fällen identitätsstiftend, so Manfred Murck vom Landesverfassungsschutz
Hamburg.
Verbrauchertipps für den nächsten Anschlag
Auf den Webseiten,
von denen viele deutschsprachig sind, werde zum Beispiel für Camps
geworben, in denen die Besucher den Dschihad dank Schul- und
Ärzteinfrastruktur "mit der gesamten Familie" leben könnten. Neu seien
auch Hochglanzzeitschriften für Frauen, die kostenlos über das Netz
vertrieben würden. Dort schwärmten Autoren von der "Heirat mit dem
Kämpfer" oder böten Verbrauchertipps, wie am besten der nächste
Anschlag im Westen zu planen oder eine Bombe in "Muttis Küche" zu bauen
sei. Das Internet ermögliche dann deren unkontrollierbare
Vervielfältigung.
Die Kämpfer würden mal brutal und mal harmlos
dargestellt, aber immer zu Helden stilisiert. Alle wahren Gläubigen
werden zum Dschihad aufgerufen. Um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen,
werden viele Kinospots in westlicher Manier gedreht. Der Übergang vom virtuellen zum echten Dschihad sei
dann auch nicht mehr weit: insgesamt 39 Schritte, wie eine andere
Internetseite zeigt.
"Die Medienarbeit der Islamisten ist eine Art von
Führung", betont Philipp Holtmann von der "Stiftung Wissenschaft und
Politik". Damit gelinge es gut, die Denkweisen von Menschen zu steuern. "Je
radikaler die Pläne werden, desto mehr findet die Kommunikation im
Verborgenen statt", schränkt "Spiegel online"-Redakteur Musharbash
dagegen ein. Dieser innere Zirkel nennt sich "Dark Web" und enthält
passwortbeschränkte Zugänge. Selbst für Verfassungsschützer sei es
schwierig, herauszufinden, was Al Qaida im Netz wo plane, stellt der
Beitrag dar.
Vieles noch Zukunftsmusik
"Das herauszufinden ist vielleicht
eher noch die Zukunft, jedenfalls für eine Verfassungsschutzbehörde wie
unsere", so Verfassungsschützer Manfred Murck. Obwohl die Seiten bekannt
seien, gebe es kaum eine rechtliche Handhabe dagegen. Deswegen blieben
die Propagandaseiten online. "Spiegel-Mann" Yassin Musharbash betrachtet
die Sache relativ nüchtern: "Sie bekommen die Zahnpasta nicht mehr
zurück in die Tube. Beim Abschalten einer Seite sind mindestens zwei
oder drei Neue entstanden, die dies aus dem Stand übernommen haben."
(pro)
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