Ein billiger Propagandatrick?
Experten gehen davon aus, dass die Salafiten die Eskalationen gezielt in Kauf nehmen, um die deutsche Karikaturen-Kampagne weltweit bekannt zu machen. 2005 hatten Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" eine Protestwelle und Morddrohungen gegen den Zeichner ausgelöst. Übersetzungen der englischen und arabischen Internetseiten zur aktuellen Diskussion belegen diese Tendenz. Die Deutschen hätten "unserem Propheten und unserer Religion den Krieg erklärt", heißt es in einem Internetforum. Ein polizeiliches Verbot der provokativen Aktion wurde in der vergangenen Woche auch in zweiter Instanz vom Oberverwaltungsgericht Münster gekippt. Innenministerium und Polizei wollten die Provokation untersagen, waren jedoch am Montag bereits in erster Instanz gescheitert.
"Nie zur Gewalt aufgerufen"
Einer der Anführer der aktuellen Bewegung soll der 26-Jährige Mohamed Mahmoud sein, der unter dem Namen "Abu Usama al-Gharib" agiert und bis vor kurzem im hessischen Odenwald lebte. Auch der islamistische Rapper Denis Cuspert – ehemals "Deso Dogg" – warnte vor bevorstehenden Reaktionen auf die Karikaturen der deutschen Islam-Hasser. Der Salafiten-Prediger Pierre Vogel nahm in einer Tonbandbotschaft aus Ägypten Stellung zu den Ereignissen in Solingen. Darin betont Vogel, er habe angesichts der Islam-Hasser nie zu Gewalt aufgerufen. Die eigentlich Schuldigen seien jedoch die Aktivisten von "Pro NRW".
Die selbsternannte Bürgerbewegung entstand 2007 aus der Gruppierung "Pro Köln". Laut nordrhein-westfälischem Verfassungsschutzbericht gehe es ihnen in der politischen Arbeit darum, "Vorurteile über Muslime zu verbreiten, um Ängste zu wecken oder zu verstärken". Falls die Partei bei der Landtagswahl am 13. Mai über 1 Prozent der Wählerstimmen erreicht, profitiert sie von der staatlichen Parteienfinanzierung. Das ist deswegen wahrscheinlich, weil die "Republikaner" dazu aufgerufen haben, "Pro NRW" zu unterstützen.
"Kleine, aber gefährliche Minderheit"
Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) wirft der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) "Pro NRW" geistige Brandstiftung vor. Aus Sicht des SPD-Politikers gelte es, wachsam bei jeglicher Art von Extremisten zu sein. "Egal, ob es sich um Rechtsextremisten handelt oder um extremistische Salafisten – sie wollen gleichermaßen unsere Rechtsordnung abschaffen", zitiert ihn die FAZ. Jäger warnte zuvor bereits mehrfach vor der Absicht der Salafiten einen Gottesstaat zu errichten. Die rund 500 Salafiten in Nordrhein-Westfalen seien zwar nur eine kleine, aber gleichwohl eine gefährliche Minderheit.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat die kostenlose Verteil-Aktion von Millionen Koran-Exemplaren von Anfang an kritisch gesehen. Laut einem Vorabbericht des "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitagsausgabe) sieht der Sprecher der Organisation Bodo W. Becker die Verteilung als billigen Propagandatrick. "Es geht hier um salafitische Propaganda und die Rekrutierung von Anhängern. Der Koran ist nur ein Vehikel", wird er dort zitiert. Die Salafiten stellten Grundelemente der freiheitlichen Demokratie infrage und hätten ein unklares Verhältnis zu Gewalt, so Becker. (pro)
Kommentare [11] >>>
"Songtalent"-Gewinner im Interview
Christian Schellenberg hat auf dem Kirchentag in Hamburg den christlichen Musikwettbewerb "Songtalent 2013" gewonnen. Der 28-Jährige setzte sich gegen rund 250 Bewerber durch. Im Interview mit pro erzählt er, dass er ursprünglich gar nicht an dem Contest teilnehmen wollte. mehr ...
Kirchentag in 3 Minuten
Mehr als 150.000 Gläubige waren vom 1. bis 5. Mai in Hamburg, um den Kirchentag mitzuerleben. Promis aus Politik, Kultur und Wirtschaft haben über aktuelle Gesellschaftsthemen diskutiert und Bibelstellen ausgelegt. pro war dabei und hat Impressionen und Stimmungen für Sie festgehalten. Erleben Sie den Kirchentag noch einmal mit, kompakt in drei Minuten. mehr ...
Top 10: Diese Politiker haben die meisten Follower
Welche Politiker sind die Stars im Netz? Dieser Frage ist das Meinungsforschungsinstitut Forsa nachgegangen. Demnach hat Angela Merkel derzeit die meisten Follower in Sozialen Netzwerken. Herausforderer Peer Steinbrück liegt auf Platz drei. mehr ...
© 2005–2013 | Das Christliche Medienmagazin pro ist ein Arbeitsbereich des Christlichen Medienverbunde KEP e.V. | www.kep.de

























Raddy | 20.05.2012 10:31:16
Die Menschen, die PRO-NRW eine Provokation vorwerfen, sind die gleichen, die einer Frau die Schuld an ihrer Vergewaltigung zuweisen, weil "der Rock zu kurz war". Ansonsten bitte auch Filme wie "Das Leben des Brian" verbieten! Gleiches Recht für alle. Und wenn Volker Beck mal wieder gegen den Papst demonstriert, und ein Katholik ihn angreifen würde, müßte man schreiben: Grüne Hetzer provozieren Christen! Aber sowas schreibt niemand. Warum? Weil 99% der Presseleute keine Charakter haben.
Rika | 07.05.2012 21:20:11
Sicherlich trifft es zu, dass Pro-NRW eine rechtsradikale Gruppierung / Partei ist und ganz sicher sind auch die kritischen Stellungnahmen zu Pro-NRW berechtigt. Aber eines scheint auch deutlich zu sein: Die Aktionen der Rechten haben offen gelegt, dass die Salafisten in extremer Weise gewaltbereit sind und der Islam eben doch im Kern nicht so friedlich ist, wie es uns die Offiziellen immer beruhigend versichern wollen. Viele Menschen in Deutschland begegnen dem Islam mit Misstrauen und beobachten die Situation in den islamischen Ländern mit der Sorge, dass ein starker Islam in Deutschland ähnliche Strukturen und Machtverhältnisse hervorbringen könnte. Leider gehen unsere Politiker auf diese Befürchtungen nicht ein, vielmehr tun sie alles, um zu verharmlosen und abzuwiegeln. Islamische Terroristen in Deutschland (wie die Sauerlandgruppe) werden als Ausnahmen und Einzeltäter dargestellt, aber die Befürchtung bleibt, dass es eben nicht Einzeltäter und Ausnahmen sind. Schließlich kamen die Attentäter von 9 / 11 zum Teil aus deutschen Universitäten... Es wäre hilfreich, wenn die Mehrheit der "friedlichen" Muslime in Demonstrationen deutlich machte, dass sie sich von allen Gewalttaten und den Salafisten distanzieren. Man muss aber vermuten, dass es zu so einer Aktion nicht kommen wird, weil eben alle Muslime wissen, dass die Salafisten mit dem Koran in Einklang sind - und der Koran ist unantastbar und steht außerhalb aller kritischen Betrachtung. leider sehen unsere Politiker, aber auch die kirchlichen Entscheidungsträger das wohl anders... wie sonst ist ihr Schweigen und ihr Beschwichtigen zu verstehen?
beobachter | 05.05.2012 10:47:49
der fokus geht in die falsche richtung. die zentrale frage die im zusammenhang mit islam steht ist doch eine andere. der arabische 'frühling' zeigt doch klar das islam und demokratie immer in einem gottesstaat mit der der sharia als grundlage endet. gibt es anzeichen die auf eine anderes ergebnis für europa schließen lässt? kann ich nicht erkennen. wenn dann nur das gegenteil in form von sharia gerichten sharia zonen usw. im übrigen ist unter sharia auch kritik am islam/propheten verboten. den teil haben wir ja schon gut umgesetzt wie zu sehen ist.... die frage ist also islam---> gottesstaat == sharia ?
Michael Böckner | 05.05.2012 08:01:49
Die Aktivisten von PRO NRW haben bewußt in Kauf genommen, dass nach dem Zeigen der Mohammed-Karikaturen, um für sich Wahlwerbung zu betreiben, andere Menschen weltweit (!) durch militante Islamisten Schaden nehmen werden. Das finde ich verwerflich! (Dabei bleibt unbestritten, dass die Übergriffe militanter Islamisten genauso verwerflich sind.)
kritix | 04.05.2012 13:02:14
Schade liebes pro-team für den völlig undifferenzierten Beitrag über "Pro NRW"! Islam-Kritik=rechtsextrem?! Aber lieber bei den Kollegen vom pc-mainstream abschreiben anstatt sich vorher zu informieren... geht schließlich schneller.
Sybille Weber | 04.05.2012 09:37:41
Von den Christenhassern, die unsere Kirchen beschmieren oder deren Fensterscheiben einwerfen usw. habe ich in diesem Portal noch nix gelesen. Ist wohl politisch unkorrekt, darüber zu schreiben? Oder sollen wir - eingesülzt vom medialen mainstream - weiterdösen? Oder hat pro jetzt Kollegen, die vorher bei Bertelsmann waren?
Rudius | 03.05.2012 18:00:35
Das stimmt so nicht ganz, denn bis auf den Vorsitzenden der REPs will die Basis nichts mit Pro zu tun haben.
Martin P. | 03.05.2012 16:55:54
Die Leute von PRO NRW sehen im Islam eine ernsthafte Bedrohung für Deutschland, womit sie meines Erachtens durchaus recht haben. "Islamhasser" trifft es einfach nicht, abgesehen davon, dass dies ein ziemlich übles Propaganda-Wort darstellt. Man muss sich nur anschauen, wie es mit den Menschenrechten islamischen Staaten aussieht, dann weiß man, was mit der Islamisierung auf Europa zukommt, von den genozidalen Christenverfolgungen in der islamischen Welt - gerade in der letzten Zeit - mal ganz abgesehen.
Art | 03.05.2012 16:41:09
Also ich kann in dem Artikel keine Kritik an PRO NRW erkennen schon gar keine billige. Der Artikel berichtet nüchtern und sachlich, ohne sich die ein oder andere Position zu eigen zu machen - so wie sich das für einen nachrichtlichen Beitrag gehört. Dabei gäbe es durchaus genug zu kritisieren an PRO NRW, immerhin stuft der Verfassungsschutz die Organisation als verfassungsfeindlich ein.
Michaela | 03.05.2012 15:12:45
"..protestierten in Solingen die selbsternannten Islam-Hasser.." "...vermeintliche Islamisierung Deutschlands..." "...selbsternannte Bürgerbewegung..." Was geht denn jetzt beim pro-Medienmagazin ab? Halten hier jetzt auch die Linken Blindfische ein Stelldichein ab, dass deren typische Phrasen hier gedroschen werden? Oder gehört ihr jetzt zur DuMont-Gruppe?